Weißwasser/O.L., 28. Oktober 2026
Die Stadtverwaltung Weißwasser/O.L. hat den Stadträten sowie den Trägern der Kindertageseinrichtungen der Stadt ein erstes Konzept zur strukturellen Optimierung der lokalen Kindertagesstätten vorgelegt. Ziel der Planung ist es, auf den anhaltenden Geburtenrückgang zu reagieren, die Qualität der frühkindlichen Bildung langfristig zu sichern und Finanzen fokussiert einzusetzen. Das Konzept sieht vor, die Betreuungskapazitäten um rund 230 Plätze zum 31. Juli 2028 zu reduzieren.
Demografischer Wandel erzwingt Anpassung der Infrastruktur
Die aktuellen Statistiken und die regionale Bevölkerungsvorausberechnung zeigen einen klaren Trend welcher sich aus der Vergangenheit der Stadt leider fortsetzt: Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren in Weißwasser/O.L. wird
von derzeit rund 600 auf unter 420 bis zum Jahr 2035 sinken. Bereits im September 2026 wiesen die Einrichtungen bei 688 Vorhalteplätzen eine Leerstandsquote von 29 Prozent (200 freie Plätze) auf.
„Wir halten Strukturen für einen Bedarf vor, der seit Jahren nicht mehr existiert“, erklärt die Oberbürgermeisterin. Das Festhalten an allen sieben Standorten würde die gebäudebezogenen Fixkosten künstlich hochhalten. Da sinkende Kinderzahlen auf nahezu gleichbleibende Betriebskosten treffen, würden die Platzkosten pro Kind und damit auch die Elternbeiträge unverhältnismäßig stark steigen. Eine reine Reduzierung von Plätzen in allen Häusern ohne Gebäudeschließungen bietet daher keinen gangbaren Einspareffekt und löst den Sanierungsstau nicht.
Geordneter Übergang und Investitionen in den Bestand
Die Auswahl der Schließungsobjekte wird auf zu bewertenden Kriterien basieren. Hier spielen beispielsweise hinein: Zieleinsparung, Belegung, pädagogisches Konzept, Lage, baulicher Zustand und mgl. Sanierungsaufwand, Trägervielfalt. Weitere mögliche Kriterien sowie deren Gewichtung sind nun Teil der Besprechungen mit den Stadträten, sachkundigen Einwohnern sowie den Trägern.
Mit einem Vorlauf von eineinhalb Jahren bis zum Vollzug der Schließungen im Sommer 2028 setzt die Verwaltung auf einen geordneten Prozess.
Die durch die Konzentration freiwerdenden finanziellen Mittel sollen ab 2028 direkt in den Erhalt und die Modernisierung der bestehenbleibenden Standorte fließen.
Es wird ein schmerzhafter Abschied für Alle
Jede Kita-Schließung ist ein schmerzhafter Schritt, der uns alle zutiefst betrifft und wehtut. Die Unruhe, Sorgen und auch die Trauer, welche die Entscheidungen bei den Familien, den Kindern und den engagierten Teams vor Ort auslösen sind verständlich. Kitas sind emotionale Orte des Aufwachsens und Zentren unserer Stadtgesellschaft.
Wie emotional dieses Thema ist, konnten wir in der Stadtratssitzung der Großen Kreisstadt Weißwasser/O.L. am 28.10.2026 miterleben. In Redebeiträgen der Leitungen und Mitarbeiter der Kita „Waldwichtel“ und der evangelischen Kita kam dies zum Ausdruck. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie schnell Missverständnisse entstehen bis hin zu falschen Tatsachen. Wir haben die Anliegen, Bedenken und Aussagen aufgenommen, werden uns mit diesen kritisch auseinandersetzen und öffentlich Rückmeldungen geben.
Abstand von diesem schmerzhaften Prozess können wir nicht nehmen, denn die demografischen und finanziellen Realitäten zwingen uns zum Handeln.


