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Laudatio Bürgerpreis 2025

24. Oktober 2025

 

 

Laudatio Manuela Thomas – Kategorie Demokratie

Sächsischer Bürgerpreis 2025 


Es ist etwas Besonderes,
die erste Laudatio des Abends.
Ich durfte schon einige halten –
aber diese hier ist mir besonders nah.

Weil sie von Menschen handelt,
die ich kenne –
und die in meiner eigenen Geschichte eine Rolle spielen.

Wer mich kennt, weiß:
Ich mag Symbole.
Weil sie helfen, sichtbar zu machen,
was Worte manchmal nicht schaffen.

Also habe ich auch heute wieder etwas mitgebracht –
etwas Kleines, aber mit Bedeutung.

Eine Glühbirne.

Sie kann leuchten.
Aber von allein tut sie das nicht.
Dafür braucht sie Energie.
Verbindung.
Menschen, die den Schalter umlegen.

 

Manchmal denke ich, Demokratie ist genau so.
Sie ist nichts Fertiges, kein Zustand.
Sie lebt davon, dass Menschen Energie hineinbringen.
Sonst bleibt sie nur aus Glas –
klar, aber kalt. Und zerbrechlich.

 

Es gibt Orte,
die sind wie ein Widerspruch in sich.
Sie liegen irgendwo im Land, manchmal übersehen, oft unterschätzt –
und trotzdem leuchten sie.

Ich rede von solchen Orten, an denen man spürt:
Hier zählt nicht Perfektion, sondern Haltung.
Nicht Hochglanz, sondern das, was man teilt.

Und manchmal wird genau diese Haltung
auf die Probe gestellt.

Wenn alles, was man aufgebaut hat,
plötzlich auf der Kippe steht.
Wenn Menschen diskutieren,
ob das, was du täglich mit Herzblut tust,
es „wert“ ist, finanziert zu werden.
Wenn du erklärst, verteidigst, aushältst –
und trotzdem weitermachst.

Weil Aufgeben keine Option ist.

 

Ich kenne solche Menschen.
Menschen, die mit jedem Rückschlag
ein Stück fester zusammenrücken.
Die sich nicht entmutigen lassen, 
immer wieder daran erinnern,
was Zusammenhalt wirklich bedeutet.
Die keine Lobby haben, aber Haltung.
Und die – vielleicht gerade deshalb – eine ganze Region verändern.

 

Ich erinnere mich an meinen ersten Kontakt zu ihnen –
vor über 15 Jahren.
Damals noch in einem Hinterhof, ein paar Räume,
dieser typische Geruch von Jugendhaus:
Cola, kalter Rauch.

Dieses ehrliche Chaos,
wenn Menschen einfach machen.

Ich weiß noch, wie ich damals dachte:
Was für eine Truppe.
So herzlich. So zäh. So echt.

Und irgendwann – Jahre später – kam der Moment,
wo klar war:
Sie brauchen mehr Platz,
mehr Raum für all das,
was da längst gewachsen war.

Und sie haben ihn gefunden –
nicht irgendwo,
sondern an einem Ort mit Bedeutung und Geschichte.

Ein Ort, den sie voller Liebe und Respekt
vor der Vergangenheit Stück für Stück verwandelt haben –
mit eigenen Händen, mit Mut, mit der Vision,
hier was aufzubauen, das bleibt.

 

Seither ist viel passiert.
Sie haben Konzerte, Werkstätten, Jugendprojekte gemacht –
aber der Kern war immer:
Menschen zusammenzubringen. Die sonst nie zusammen kämen.
Mut zu machen.
Demokratie zu leben –
nicht als Wort, sondern als Alltag.

Und ja – sie mussten kämpfen.
Zuletzt darum, überhaupt weitermachen zu dürfen.
Darum, dass begriffen wird:
Das, was sie tun, ist kein Luxus,
sondern Lebensader.

Aber sie haben es wieder geschafft.
Mit Spenden. Mit Solidarität. Mit Zusammenhalt.
Mit der Kraft vieler,
die gesagt haben:
Wir. Lassen. Uns. Nicht. Kleinreden.

 

Wenn ich heute an sie denke,
dann denke ich an einen Ort,
an dem Theater und Diskussion, Musik und Nachbarschaft,
Jugend und Erfahrung, Widerspruch und Lachen
ein Zuhause gefunden haben.

Ein Ort, an dem Menschen spüren:
Demokratie ist nichts, das man erklärt bekommt –
sie ist etwas, das man tut.

Und jetzt, kurz bevor ich sage, wer gemeint ist,
möchte ich, dass Sie noch einmal auf dieses Licht schauen.

 

Sie besteht aus Glas –
so wie vieles, was diese Stadt unseres Preisträgers einst prägte.
Und genau dort,
wo früher Spezialglas hergestellt wurde,
entsteht Tag für Tag Neues:
Es ist heute ein Ort der Begegnung, der Ideen, der Hoffnung.

Ein Ort, zu dem ich selbst eine besondere Verbindung habe.
Weil ich dort oft bin,
Veranstaltungen mache
und viele dieser Menschen seit Jahren kenne –
ihren Mut, ihre Herzlichkeit, ihre Zähigkeit.

Und sie genau deshalb sehr, sehr schätze.

Sebastian, Christian, Timo – und all ihr anderen:
Ihr zeigt jeden Tag,
dass man auch dann weitermacht, wenn es schwierig wird.
Dass Zusammenhalt kein Wort ist,
sondern etwas, das man tut.
Und dass Glas nicht nur zerbrechen –
sondern auch leuchten kann.

 

Der Sächsische Bürgerpreis 2025
in der Kategorie „Demokratie – Miteinander stärken, Land gestalten“
geht an Euch, an den Mobile Jugendarbeit und Soziokultur e.V. in Weißwasser
für Euer Projekt „Soziokulturelles Zentrum Telux.“

Denn wir machen in Weißwasser
das Licht noch lange nicht aus. 

Herzlichen Glückwunsch! 

 

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09. Juli 2026
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