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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 2026 fand in Weißwasser/O.L. die städtische Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus statt.

Titelbild
27. Januar 2026

Am 27. Januar 2026 fand in Weißwasser/O.L. die Gedenkveranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, der Kirchen und lokaler Initiativen richteten Worte des Gedenkens an die Anwesenden, und auch die Oberbürgermeisterin wandte sich in einer Rede an die Bürgerinnen und Bürger. Im Rahmen der Veranstaltung wurden Blumen niedergelegt und eine Schweigeminute abgehalten. Die Rede der Oberbürgermeisterin wird im Folgenden zum Nachlesen veröffentlicht:

"Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften, verehrte Bürgerinnen und Bürger,

wir gedenken heute den Opfern des Holocaust. Heute vor 81 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit.

Oft ist dieses Gedenken leise.
Leise, wie damals so vieles leise war.
Leise, wie die schweigende Mehrheit, die wegschaute, die ahnte, die wusste – und dennoch schwieg.
Leise, geduckt, in sich zurückgezogen, weil sie nicht hören, verstehen, Verantwortung tragen wollten für das, was in Auschwitz-Birkenau und den anderen Lagern geschah.

Auschwitz steht heute als Symbol für den Tiefpunkt menschlicher Zivilisation. Für industrielle Vernichtung, für Entmenschlichung, für einen Hass, der zum System wurde.

Über eine Million Menschen wurden an diesem unmenschlichen Ort ermordet – Juden, Sinti und Roma, politische Gegner, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen.
Sie wurden entrechtet, entwürdigt, ausgelöscht.

Unser Gedenken ist oft still.
Still aus Respekt.
Still aus Fassungslosigkeit.
Still, weil Worte fehlen.

Doch die Stille von heute darf niemals der Stille von damals gleichen.
Denn die Stille von damals war keine würdige, keine ehrfürchtige.
Sie war eine gefährliche, eine feige, eine tödliche.
Sie war der Nährboden für Hass und Hetze und eines der größten Verbrechen der Menschheit.

Deshalb stellt sich heute für uns die Frage:
Sollten wir wirklich leise gedenken?
Oder ist es nicht vielmehr unsere Pflicht, laut zu sein?

Laut, wenn Menschen ausgegrenzt werden.
Laut, wenn Menschen vorverurteilt werden.
Laut, wenn Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit verharmlost werden.
Laut, wenn Geschichte verdreht, Schuld geleugnet oder Verantwortung abgeschüttelt wird.

Auschwitz ist nicht nur ein Ort der Vergangenheit. Auschwitz ist eine Warnung.
Eine Warnung davor, wie schnell aus Worten Taten werden.
Wie schnell aus „den Anderen“ Feindbilder entstehen.
Wie schnell eine Gesellschaft ihre Menschlichkeit verliert, wenn sie Hass duldet und Unrecht schweigend hinnimmt.

Gedenken bedeutet mehr als Erinnern.
Es bedeutet Verantwortung.
Verantwortung dafür, dass sich das, was in Auschwitz geschah, niemals wiederholt – nirgendwo, gegen niemanden.

Die Befreiung von Auschwitz-Birkenau war ein Ende. Aber sie war kein Schlussstrich.
Sie ist ein Auftrag. Ein Auftrag an uns alle.

Lasst uns also erinnern – würdevoll, aber nicht sprachlos.
Lasst uns trauern – aber nicht verstummen.
Und lasst uns aus der Geschichte lernen, indem wir heute Haltung zeigen.

Denn „Nie wieder“ ist kein leiser Satz.
„Nie wieder“ ist ein Versprechen.
Und dieses Versprechen müssen wir laut verteidigen."

 

 

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