15 Jahre "Haus am Hain" in Weißwasser

07.09.2015 DruckversionPDF

Pünktlich 11 Uhr kam die Sonne heraus, als Carol Blatt die Leiterin des Soziotherapeutischen Zentrums Görlitz-Weißwasser im Garten vom "Haus am Hain" alle Bewohner und Gäste begrüßte. Ein buntes Programm mit mehreren Interviews und Einlagen erwartete die zahlreichen Gäste.
2015.09.04.-15 Jahre Haus am Hain2015.09.04.-15 Jahre Haus am Hain
Grußworte der Sozialdezernentin des Landkreises Frau Martina Weber

2015.09.04.-15 Jahre Haus am Hain
Grußworte von Frau Helma Orosz

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Anschnitt der Geburtstagstorte

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Immer wieder kamen Gäste und unter ihnen auch Anwohner rund um die Einrichtung

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LAUSITZER RUNDSCHAU 05.09.2015

Lebensperspektive für Gestrauchelte

Sozialteam "Haus am Hain" betreut seit 15 Jahren in Weißwasser alkoholkranke Menschen

Weißwasser Das Sozialteam in Weißwasser hat Freitag mit Festveranstaltung und Herbstmarkt seinen 15. Geburtstag gefeiert. Die Arbeit im "Haus am Hain" konzentriert sich darauf, alkoholabhängigen Menschen eine neue Lebensperspektive aufzuzeigen – eine abstinente.

Andreas Linke ist 37 Jahre alt. Vor zwei Jahren hätte er keinen Pfifferling mehr auf sein Leben gegeben. Nach einer langen Zeit, in der er übermäßig viel Alkohol trank, stellten Ärzte bei ihm Bauchspeicheldrüsen-Krebs fest. Ein Cottbuser Hospiz nahm ihn auf. Doch statt zu sterben, "päppelten sie mich dort ein Jahr lang auf", erzählte Andreas Linke am Freitag den Gästen der Geburtstagsfeier. Die Diagnose Krebs habe sich nicht bewahrheitet. Ende Juni 2014 zog er im "Haus am Hain" ein. Damals im Rollstuhl. Seitdem geht es immer weiter voran. "Es lebt sich sehr gut hier", beschreibt der 37-Jährige mit einfachen Worten. Er sei stolz auf seine neue Mobilität, Rollstuhl und Krücken brauche er nicht mehr. Jeden Tag kann er im Skoda-Autohaus in Weißwasser für mehrere Stunden helfen. Für Andreas Linke ist das viel mehr als nur eine Beschäftigung. Es ist das Gefühl, zu etwas nutze zu sein – eine neue Lebensperspektive. Für die will er nie mehr zur Flasche greifen. Er brauche keinen Betreuer mehr, der mit ihm Ämtergänge erledigt. "Es war eine Überwindung, aber ich mach das alles allein", erzählt Linke stolz. Und mit dem Rad fahre er donnerstags zur freiwilligen Feuerwehr. Früher sei er in seinem Wohnort 15 Jahre Floriansjünger gewesen. Wenn er weiter hart an sich arbeite, vielleicht gelingt ihm ja auch das. Was will er in den nächsten fünf Jahren erreichen? "Ich will ich in eine eigene Wohnung ziehen, mich beruflich orientieren."
2015.09.04.-15 Jahre Haus am Hain

Foto: Gabi Nitsche

2015.09.04.-15 Jahre Haus am Hain
Heidemarie Tschammer (l.) berichtet im Interview mit der Haus-am-Hain-Chefin von den Anfängen 2000 als Quereinsteigerin.
Foto: Gabi Nitsche

Ein steiniger Weg

Nicht jeder Bewohner kommt so gut voran. Denn der Weg zum Ziel, in ein selbstbestimmtes Leben, sei für diese Menschen steinig und schwer. Nach oftmals jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch und dessen Folgen verlange der neu eingeschlagene Weg ihnen immens Geduld, Mühe und Kraft ab. Ohne die Fachkompetenz, das Einfühlungsvermögen und die Hartnäckigkeit von Carol Blatt und den 48 engagierten Mitarbeitern des Sozialteams im Soziotherapeutischen Zentrum "Haus am Hain", "ginge es mir dreckig", zitierte Heimbeirat Rüdiger Rex einen Bewohner.

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Mitarbeiterin Bettina Grätzel bringt die Geburtstagstorte. Foto: Gabi Nitsche

Um wieder auf die Beine und nicht erneut unter die Räder zu geraten, braucht es soziale Kontakte und Aufgaben. Andreas Linke ist der Beweis dafür. Das Sozialteam habe das schon vor vielen Jahren erkannt und sich Kooperationspartner gesucht. Der Tierpark war vor zehn Jahren das erste Außenprojekt. Dort sorgen heute noch regelmäßig Bewohner vom "Haus am Hain" für saubere Wege und Anlagen. Inzwischen gibt es 19 solcher Projekte, "wo wir mitmischen", berichtete die Chefin. So erledigen Bewohner zum Beispiel regelmäßig feste Aufgaben bei den Niederschlesischen Werkstätten und in der Senioren-Begegnungsstätte, auf dem Hundesportplatz, auf dem Bahnhof beim Nachbarn Waldeisenbahn oder auch in der Eis-arena. Glücklich ist Bewohnerin Katja, die beim Friseur M der Chefin zur Hand gehen darf, wurde berichtet.

Unter den Partnern engagieren sich etliche als Sozialpaten – eine Aktion, die das Soziale Netzwerk Lausitz aus Weißwasser auf den Weg brachte. Die Paten helfen einander, ohne dafür zu bezahlen. Carol Blatt nannte ein Beispiel: Bewohner helfen bei Arbeiten am Halbendorfer See und können dafür einige Tage dort zelten.

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Bewohnerin Katja lebt auf, seit sie bei Friseur M helfen darf. Foto: Gabi Nitsche

Für Weißwasser ein Geschenk

Als "Geschenk" bezeichnete Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) das Sozialteam für die Stadt Weißwasser. Es agiere sozial und sorge dafür, dass diese Menschen positiv wahrgenommen und nicht stigmatisiert werden. Daran knüpfte auch Helma Orosz an. Als zuständige Sozialdezernentin sei sie Geburtshelferin des Sozialteams gewesen, brachte sich genauso als Oberbürgermeisterin von Weißwasser ein und verlor das "Haus am Hain" auch nicht aus dem Blick, als sie vor zwölf Jahren Sozialministerin wurde, betonte Carol Blatt. Helma Orosz würdigte vor versammelter Gäste- und Mitarbeiterschar, wie sehr sich das Sozialteam von Anfang an in die Aufgabe verbissen habe. "Das ist es, was einen Sozialstaat prägt – Randgruppen zu stärken." Es sei nicht bei einer Wohngruppe geblieben. Das Team habe sich weiterentwickelt, neue Ideen verwirklicht.

Carol Blatt bestätigte das. Nach dem chinesischen Horoskop sei das Sozialteam Drache. Dem würden zum Beispiel Intelligenz und Fleiß nachgesagt. Mit ambulant betreutem Wohnen begann 2000 alles. Heute konzentriert sich die Arbeit des Sozialteams auf etwa 70 Bewohner. Einige leben in einem beschützten Bereich, der Großteil in der offenen Wohnstätte. Hinzu kommen eine Außenwohngruppe mit 15 Plätzen und ein ambulantes Wohnprojekt. Neu dazu gehört seit diesem Jahr unter anderem die Suchtberatung in Görlitz und Löbau. "Und wir sind noch lange nicht am Ende mit unseren Visionen", kündigte Carol Blatt an. Denn ein Drache stelle an sich große Ansprüche und helfe Bedürftigen.

Gabi Nitsche

 

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