Der Neufert-Bau - im intensiveren Blickfeld

23.03.2013 DruckversionPDF

Es ist interessant, wie manchmal der eigene Blick geschärft wird. Weißwasser hat eine Vielzahl von Alleinstellungsmerkmalen und Besonderheiten. Das Lagerhaus in der Schmiedestraße zählt unbedingt dazu. Unserer Stadtgeschichte sollten wir uns mehr und mehr bewusst werden - auf diese hinzuweisen, sie nach außen tragen und Besucher für unsere Region begeistern.


Neufert-Bau
die Platten mit den Fotos werden angeschraubt

Neufert-Bau
Neufert-Bau
es sieht gut aus

Neufert-Bau
und noch besser bei Sonnenschein

Neufert-Bau
der Blick aus der Ferne

Fotos: Torsten Pötzsch

LAUSITZER RUNDSCHAU 23.03.2013


Logenplätze für Neufert und Wagenfeld
Erste Fensterbilder prangen an denkmalgeschütztem Industriebau

Der Neufertbau in Weißwasser ist seit Freitag mehr denn je ein Hingucker. Fotos von Architekt Ernst Neufert und Designer Wilhelm Wagenfeld füllen die ersten beiden Fenster aus. Weitere Bilder sollen möglichst bald folgen.
Ernst Neufert scheint die Aussicht zu gefallen. Lächelnd schaut er von seinem Fensterplatz auf die Schmiedestraße herab. Vielleicht freut er sich aber auch nur darüber, dass sein alter Freund aus Weißwasseraner Zeiten schräg über ihm ebenfalls seinen Platz gefunden hat. Gedanken wie diese mögen dem Betrachter durch den Kopf gehen, wenn er auf die beiden Fenster-Porträts schaut, die am Freitag an zwei Fensterrahmen auf der Frontseite des Neufertbaus befestigt worden sind.
Die beiden Fotos wurden so platziert, dass man sie schon von der Kreuzung Schmiedestraße/Muskauer Straße aus sehen kann, erklärt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), der die Kosten für die Fertigung des Wagenfeld-Fotos übernommen hat. Geldgeber für das Neufert-Foto war Unternehmer Jan Garreis, dessen Malerei-Fachbetrieb direkt neben dem Neufertbau steht. Garreis war es auch, der vergrößerte Abzüge der Fotos auf Aluminiumplatten auftragen und mit einer schützenden Laminatschicht überziehen ließ. Mit einem Mitarbeiter hat er die Platten in der Größe der Neufertbau-Fenster dann auch angeschraubt.
Die Idee, die Fenster mit Bildern auszufüllen, hatten Pötzsch und Garreis gemeinsam mit Claudia und Steffen Müller von der Kunstschmiede entwickelt. "Das soll heute nur der Anfang sein", sagte Pötzsch. Wenigstens sämtliche Fenster auf der Vorderseite sollen bebildert werden. Für Vorschläge sei man offen, ebenso für Finanzierungshilfen. Pötzsch hofft gar auf eine deutschlandweite Spendenaktion, die am Freitag ihren Anfang genommen haben könnte. Wagenfeld- wie auch Neufertstiftung hätten bereits signalisiert, das Projekt zu unterstützen.
Auch Günter Segger von der Denkmal-Kommission in Weißwasser findet es begrüßenswert. Er sei von der Fensterbilder-Idee gleich begeistert gewesen, als er das erste Mal von ihr gehört hatte. Der denkmalgeschützte Bau, sagt er, werde auf diese Weise nicht beschädigt, komme aber ins Gespräch. Das könnte ihm mehr Akzeptanz bei den Weißwasseranern verschaffen, die ihn bisher nicht sehr wertgeschätzt hätten. Und möglicherweise finde sich durch diese Art Werbung für das Gebäude auch ein Investor. Als ein mögliches weiteres Fenstermotiv könnte sich Segger selbst das Stadtwappen vorstellen.
Holger Schmidt, der diese Woche in Weißwasser eine Planungswerkstatt geleitet hat, gefiel die Idee ebenfalls. Auch die beiden ersten Motive findet der Professor für Raum- und Umweltplanung an der Technischen Universität in Kaiserslautern passend. Schließlich seien Neufert und Wagenfeld prominente Vertreter des Bauhauses, die in Weißwasser bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG) zusammengearbeitet und hier auch Freundschaft geschlossen hätten. Der eine war künstlerischer Leiter, der andere Hausarchitekt bei der VLG. Ernst Neufert habe das Glaslagerhaus dann im Bauhaus-Stil errichtet. Es gebe bundesweit nur wenige baugeschichtlich so wertvolle Bauhaus-Zeugnisse.
Garreis und Pötzsch sind außerdem weiter bemüht, gemeinsam mit dem Eigentümer das Gebäude instand zu setzen. Den eingeschossigen Verladebereich mit Rampe möchte Jan Garreis sogar selbst erwerben, um ihn als Lager für seine Fahrzeuge und Arbeitsgeräte zu nutzen. Allerdings riet ihm Holger Schmidt davon ab, den Eingeschosser wie beabsichtigt vom Lagerhaus abzutrennen. Beide Gebäudeteile machten zusammen das Denkmal aus. Sie gehörten untrennbar zusammen.
Von Daniel Preikschat
(Der Artikel mit Fotos ist im Anhang zu finden.)


SÄCHSISCHE ZEITUNG 23.03.2013

Neufert und Wagenfeld sind wieder vereint

Früher arbeiteten der Architekt und der Designer gemeinsam für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke. Nun haben sie in Weißwasser ihr Comeback.
Täglich schauen Claudia und Steffen Müller von ihrer Galerie Kunstschmiede aus auf 150 trostlose Fenster einer einstigen Glühlampenlagerhalle. Die verdankt Weißwasser Ernst Neufert (1900-1986), einstiger Hausarchitekt der Vereinigten Lausitzer Glaswerke, wo Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) künstlerischer Leiter war. Heute sind beide wieder vereint. Ihre Porträts auf Kunststoffplatten zieren seit gestern zwei Fenster am denkmalgeschützten Neufertbau. Die Idee, die Fenster künstlerisch aufzuwerten hatten Claudia und Steffen Müller. Bei „Nachbar“ Jan Garreis, Inhaber einer Malerfirma, und Oberbürgermeister (OB) Torsten Pötzsch stießen sie auf offene Ohren und persönliche Finanzierungshilfe.
„Unser Ziel ist es, künftig alle 150 Fenster mit Motiven zu versehen, die Bezug zu Weißwasser haben. Das können Künstler, Sportler, Ehrenbürger, Bauten oder das Stadtwappen sein“, erläutert OB Pötzsch. Finanziert werden soll die Belebungs- und Rettungsaktion für den Neufertbau aus Spenden und durch Sponsoren. „Denkbar sind sogar Fensterpatenschaften“, blickt Torsten Pötzsch voraus.
Von Sabine Larbig


Foto: Andre Schulze (v.l. Claudia Müller, Torsten Pötzsch und Steffen Müller

 

 

Neufert-Bau 1936
Ansicht aus dem Jahr 1936

Neufert-Bau 1936
die Verladehalle von innen

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