2. Bürgerforum der "Bürgerinitiative Modellprojekt Weißwasser"

22.02.2012 DruckversionPDF

Großes Interesse herrschte am gestrigen Abend bei Weißwasseraner und Bürgern aus den Umlandgemeinden beim 2. Bürgerforum der "Bürgerinitiative Modellprojekt Weißwasser"

SZ vom 22.02.2012
Eishalle, Stadtentwicklung, Volkshaus und Bahnhof waren gestern die großen Themen beim Bürgerforum.

Um Infrastrukturmaßnahmen für Stadt ging es beim 2. Bürgerforum gestern Nachmittag im gut besuchten Kommunikationszentrum am Schweren Berg. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch berichtete von den letzten Verhandlungen zum Kauf des Bahnhofsgebäudes. Sie verliefen ohne Ergebnis. In vier Wochen startet die Verwaltung einen neuen Versuch. Sehr umstritten war das Thema Volkshaus, das Ute Müller aufbrachte. Befürworter einer Wiederbelebung und Gegner hielten sich die Waage. Stadtrat Hartmut Schirrock (Wir Für Hier) wollte fast seine Hand dafür ins Feuer legen, dass ein Malheur wie in Dresden beim Dach der neuen Weißwasseraner Eishalle nicht passieren könne. Die Bürgerbeteiligung beim Neubaugebiet auf dem ehemaligen Allbau-Gelände lobte er. Von der Waldeisenbahn kam dazu Kritik: Die Wohnbebauung reiche viel zu nah an die bestehenden Gewerbebetriebe. Was Weißwasser bewegt, ist anderen egal. Unter der Überschrift „Hilferuf aus der Oberlausitz“ hatte Organisator Peter Sievers von der Bürgerinitiative Modellprojekt Weißwasser vorab vor allem Politiker angeschrieben und um Lösungsvorschläge zu den drängenden infrastrukturellen Problemen gebeten: Bahnausbau, B160, B150. Von Peter Ramsauer (CDU), Bundesminister für Verkehr, Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, aber auch von der Bahn kamen nur ausweichende Antworten. Selbst das Büro von Landrat Bernd Lange (CDU) wollte niemanden zu der Veranstaltung entsenden. „Wir arbeiten ständig an den angesprochenen Problemen. Wenn es dazu etwas Neues gibt, werden wir uns melden“, heißt es in dem Schreiben. 

LR vom 23.02.2012
Versäumter Bahnhofskauf im Bürger-Forum kritisiert

Der versäumte Kauf des Bahnhofs durch die Stadt bewegt in Weißwasser mehr denn je die Gemüter. Das wurde bei einem Bürgerforum am Montag deutlich. Heute gestalte sich der Kauf indes schwierig, so der Oberbürgermeister.

Brigitte Schönsee vom Blinden- und Sehbehindertenverband in Weißwasser wollte nur darauf hinweisen, dass der Bahnhof in Weißwasser an Behindertenfreundlichkeit zu wünschen übrig lasse. Rinnen und Abwasserläufe seien Stolpersteine. Es gebe keine Leitstreifen und die Anzeigen seien viel zu klein. Mit seiner Antwort lenkte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) die Diskussion beim zweiten Bürgerforum in der Stadt am Schweren Berg jedoch in eine andere Richtung. Der Bahnhof, so der Oberbürgermeister, gehöre nun mal nicht der Stadt, sondern seit 2007 einem Bieterkonsortium aus Luxemburg. Das sei bedauerlich, da seither nicht mehr in Gebäude und Umfeld investiert werde. Der Bahnhof passe heute gar nicht mehr in das sanierte Umfeld. Wie wichtig die Stadt den Bahnhof jedoch nach wie vor nehme, davon zeuge ein Städtebauliches Entwicklungskonzept (Seko) extra für den Bereich Bahnhof. Angelika Bläck, die in dem Gebäude einen Fahrkartenverkauf betreibt, wollte jedoch nicht so einfach darüber hinweggehen, dass die Stadt den Bahnhof 2004 für 53 000 Euro von der Bahn hätte kaufen können. Das damals angeführte Argument, das rechne sich nicht, sei haltlos. Dies möge für private Käufer gelten, nicht aber für eine Stadt, die den Bahnhof als Besuchertor und Standort für die Tourist-Info braucht. Quartiermanager Frank Schwarzkopf, zugleich Chef des Stadtvereins, sah das ähnlich. Er betonte die existenzielle Bedeutung des Bahnhofs, um die Altstadt zu beleben. Es gebe ein Konzept für das Gebäude und möglicherweise könnte Vattenfall finanzielle Unterstützung leisten. Immerhin habe der Energiekonzern in Welzow sogar Kauf und touristische Nutzung eines toten Bahnhofs ohne Gleisanschluss und Mieter unterstützt. Dass sich ein für die Stadt so wichtiges Gebäude in Privathand befindet, behagte Schwarzkopf nicht. Es gebe Beispiele dafür in Weißwasser, wie solche Gebäude zu Spekulationsobjekten verkommen. Peter Sievers von der Bürgerinitiative Modellprojekt Weißwasser, die das Forum initiiert hatte, bekräftigte das: „Den Besitzern geht es nur um Gewinnmaximierung.“ Auch Pötzsch sieht dieses Problem: „Der Besitzer sieht in dem Bahnhof noch Potenzial.“ Man bleibe aber weiter an dem Thema dran. Hartmut Schirrock, erst seit 2004 Stadtrat für „Wir für Hier“ staunte über die seinerzeit so günstige Kaufsumme. Für das Geld bekomme man heute nicht einmal ein WC im oder am Bahnhof hingebaut, das Besucher und Einheimische dort vermissten. Wolfgang Gröscho, ehemals Stadtrat der Linken, sah die Schuld für den versäumten Kauf weniger bei den Abgeordneten. Der nunmehr abgewählte Finanzbürgermeister Ronald Krause (SPD) habe mit seinen Sparkurs Anteil an der Entscheidung gehabt. Damals seien Tierpark und Bibliothek von Streichung bedroht gewesen. Jeder Cent sei zwei Mal umgedreht worden. (Daniel Preikschat)

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